Boreout – wenn Langeweile krank macht

BoreoutBoreout – hast du davon schon einmal gehört? Die wenigsten Menschen kennen diesen Begriff. Boreout (abgeleitet von „boredom“ (engl. „Langeweile“)) bezeichnet ein Krankheitsbild, die auch in Deutschland immer häufiger anzutreffen ist. Boreout entsteht aus einer permanenten Unterforderung, Langeweile und Desinteresse im Arbeitsleben. Man langweilt sich sozusagen krank.

Dauerhafte Unterforderung und Langeweile = Boreout

Du hattest bestimmt auch schon Tage, an denen einfach nichts los ist. Die Arbeit ist getan und es fällt einfach nichts neues an. Und dann suchst du dir krampfhaft eine Beschäftigung, denn einfach nur Stunden absitzen ist todlangweilig und nervt. Und jetzt stelle dir diesen Zustand dauerhaft vor. Du bist jeden Tag im Büro unterfordert. Das bedeutet nicht, dass du gar keine Arbeit hast, aber entweder hast du die anliegende Arbeit schnell erledigt oder die Arbeit als solche fordert dich nicht. Und das Tag für Tag. Ohne besondere Höhepunkte. Ohne eine echte Herausforderung. Ohne echte Anerkennung.

Nach und nach schleicht sich das Gefühl ein, keine sinnvolle Leistung zu erbringen. Gleichzeitig möchtest du aber nicht zugeben, dass du keine „richtige“ Arbeit hast, denn dadurch stempelst du dich aus Sicht der Kollegen selbst zum Versager. Also suchst du dir zwanghaft eine Beschäftigung und täuscht Stress vor, um als vollwertiger Mitarbeiter angesehen zu werden.

Auf Dauer macht dich das krank: Du hast Boreout!

Boreout ist eine relativ neue Krankheit. Das Krankheitsbild wurde erst 2007 von zwei schweizer Unternehmensberatern geprägt und ist bis heute nicht vollständig erforscht.
Boreout entsteht – wie Burnout – aus Stress. Allerdings ist beim Boreout der unterforderungsbedingte Stress der Auslöser.
Boreout-Symptome sind ähnlich den Burnout-Symptomen: Niedergeschlagenheit, Depressionen, Antriebslosigkeit, Schlafprobleme. Aber auch Tinnitus, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und Schwindelgefühle können auf das Boreout-Syndrom hinweisen.

Boreout ist nicht gesellschaftsfähig

Burnout, der durch permanenten Stress und Überlastung ausgelöst wird, ist eine gesellschaftlich anerkannte Krankheit. Boreout hat hingegen einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert. Boreout-Erkrankte können leicht zu „Warmduschern“, „Drückebergern“ und „Arbeitsscheuen“ abgestempelt werden. Unsere Gesellschaft ist auf Leistung getrimmt, und Boreout passt da nicht hinein.

Die Problematik ist, dass Boreout auch nicht einfach mit dem Vorgesetzten besprochen werden kann. Häufig herrscht hier die Angst vor Arbeitsplatzverlust oder die Angst davor, mit Arbeit eingedeckt zu werden, an der man keine Freude hat. Und so wird weiter Vollbeschäftigung vorgetäuscht, während du im Inneren immer Unzufriedener wirst.

Und je älter du wirst, desto schwieriger wird es auch, einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Zum einen verstärkt sich mit zunehmendem Alter die zusätzlich frustrierende Gewissheit, wichtige Lebenszeit für diesen Arbeitgeber vergeudet zu haben. Zum zweiten wird es immer schwerer, sich über einen Arbeitsplatzwechsel aus der Situation zu befreien. Hinzu kommt die Angst vor einem Statusverlust und vielleicht sogar vor der Reduktion des Gehalts.

Der Arzt kann helfen

Dennoch solltest du  dich, wenn du den Verdacht hast, an Boreout zu leiden, unbedingt an einen Arzt wenden. Sprich offen mit ihm darüber, denn aus eigener Kraft aus diesem „Loch“ wieder heraus zu kommen, ist sehr schwer.

Boreout wird z.B. mit psychotherapeutischen Gesprächen, mit autogenem Training, Musiktherapie, verschiedene Körper- und Atemtherapien behandelt. Nur selten und in schweren Fällen ist ein Klinikaufenthalt nötig.

Wichtig ist die Erkenntnis, krank zu sein. Es hilft nicht sich einzureden, alles wäre nur eine Phase. Sobald man sich eingesteht, krank zu sein, kann und sollte man sich Hilfe holen.

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2017-11-19T12:48:44+00:00 Körper & Seele|0 Kommentare

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