Zieh den Stöpsel – Offline hat was!

Offline hat wasIch hatte am Wochenende eine sehr inspirierende Erfahrung. Unfreiwillig. Wir sind über’s Wochenende weg gefahren. Kaum waren wir unterwegs, schießt ein Gedanke durch mein Hirn und Adrenalin durch meinen Körper: Ich habe mein Handy zuhause liegen lassen. Meine elektronische Nabelschnur zur Welt. Mein „Erinnermich“. Meine Nachrichtenzentrale. Mein zweites Hirn. Das war unvorstellbar. Aber aufgrund der engen Zeitschiene kam umdrehen nicht in Frage. Vor mir lagen also zweieinhalb Tage offline!

Offline in’s Wochenende

Der Adrenalinschub, als ich es bemerkte, war höchst real. Kein Witz. Das war, als fährt dir, wenn du mit 200 km/h auf der linken Spur der Autobahn unterwegs bist, 20 m weiter vorn einer mit 120 vor die Nase. Voll in die Eisen, Adrenalin pur. Puh. Im Laufe der Fahrt habe ich mir dann überlegt, wie ich das mache. Klar, meine bessere Hälfte hatte ihres dabei. Ich war also nicht ganz abgeschnitten. Aber meine ganzen Apps fehlten mir natürlich. Die passenden News von Hand rauskramen? Und keine Alerts, wenn irgendwo was für mich interessantes passiert. Grausam. Ganz zu schweigen von WhatsApp und E-Mail-Abstinenz. Das ist für jemanden, der Online arbeitet, eine echtes Horrorszenario. Kurz und gut: Ich war einigermaßen schlecht gelaunt.

Im Laufe der Fahrt hat sich das glücklicherweise wieder gebessert. Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht, was mein kleines Helferlein denn normalerweise über’s Wochenende sagt. Klar, die Instant-Kommunikation mit Freunden und Bekannten fehlt tatsächlich. Aber wenn’s tatsächlich dringend ist, können die auch auf dem Handy meiner besseren Hälfte anrufen. 90% der Wochenend-WhatsApps sind eh nur dummes Zeug. Ähnliches gilt für die Mails. Am Wochenende kommt wenig geschäftliches rein, auch das sollte zu verschmerzen sein. Und News? Naja. Eigentlich will ich immer gleich wissen, was in der Branche läuft. Aber – ganz ehrlich – ich fand schon auf der Fahrt erholsam, dass das Handy nicht alle 5 Minuten piept, klingelt und blinkt.

Ein offline-Blick auf die reale (Um)Welt

Am Ziel angekommen haben wir zunächst einmal unseren Kram ausgepackt und sind dann Essen gegangen. Und hier hatte ich einen zweiten lichten Moment: Im Restaurant habe ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit nicht ständig mit dem Smartphone beschäftigt. Ich habe die Leute beobachtet. Und DIE hatten ständig das Smartphone in der Hand. Es war schon beinahe erschreckend zu sehen, dass fast jeder alle paar Minuten einen Blick auf sein Handy wirft. Und dann mehrere Minuten damit verbringt, Nachrichten zu lesen und Mails zu schreiben. Und das an einem Freitag Abend. Sind wir tatsächlich so? Bin ICH so? Ich fürchte ja.
Diese Beobachtung habe ich übrigens ebenso beim Frühstück und Mittagessen gemacht. Ich bin mir jetzt sicher, dass bestimmt mehr als die Hälfte der sogenannten „Tennisarme“, die von Ärzten behandelt werden, in Wahrheit „Handyarme“ sind. Krass.

Wir waren an diesen beiden Tagen viel unterwegs, sind ein bisschen gewandert, haben gechillt und uns erholt. Und überall – selbst im tiefsten Wald mit ganz bestimmt 0,0 Empfang – begegneten wir Menschen mit Handy in der Hand.

Ein Handy ist angenehm, zwei sind Luxus, drei eine Extravaganz und keins das Paradies. - Unbekannt Klick um zu Tweeten„]

Es war echt interessant, das einmal „von der anderen Seite“ zu sehen. Wirklich krass. Wenn man selbst da drin steckt, fällt das sicher kaum auf. Aber so ein offline-Tag kann einem schon die Augen öffnen. Tatsächlich gibt es Dinge im Leben, die wichtiger sind.
Probier’s aus. Du wirst schnell verstehen, was ich meine.

Eigentlich bin ich jetzt motiviert, öfter mal einen offline-Tag einzulegen. Oder ein ganzes Offline-Wochenende. Das geht. Und die Welt dreht sich trotzdem weiter. Ich weiß es, ich habe es ausprobiert 🙂 Um ganz abzuschalten ist es sogar sehr wichtig, für ein paar Stunden den Stöpsel zu ziehen.

Mein guter Vorsatz ist, künftig wieder mehr Dinge persönlich zu erledigen. Mal schauen, ob ich das durchhalte. Habe heute schon damit begonnen und zu Mittag ein Meeting mit einem Bekannten ausgemacht. Im Biergarten. Ganz offline 🙂

Wie steht’s mit dir? Bist du auch ein Online-Junkie? Fällt schwer, das Handy ein paar Stunden weg zu legen. Stimmt’s?

Übrigens: Ärzte schätzen, dass aktuell ca. 30% aller Arbeitnehmer mit Burn-Out durch die Gegend laufen. Mit ein Grund dafür ist die ständige Erreichbarkeit. Sollte uns das zu denken geben?

2017-11-19T13:05:50+00:00 Körper & Seele|2 Comments

2 Kommentare

  1. Slade 4. Juni 2015 at 15:21 - Reply

    Ganz ehrlich, ich musste erst einmal lachen, als ich diesen Artikel gelesen habe. Leider bin auch ich jemand, der ständig das Smartphone bei sich trägt. Könnte mir nicht vorstellen, mehrere Tage ohne es zu sein. Aber nett geschrieben, Kompliment 🙂

    • The Grey 4. Juni 2015 at 19:31 - Reply

      Hallo Slade,

      danke für’s Kompliment 🙂
      Das war zu Beginn auch tatsächlich nicht lustig. Aber – wie ich geschrieben habe – nach einer Weile war es gar nicht mehr so übel B-)
      Ich denke, die Abhängigkeit machen wir uns alle selbst. Und ich bin dazu übergegangen, mein Handy am Wochenende abzuschalten! Ok, wenn ich unterwegs bin, habe ich es dabei. Aber wenn ich Zuhause bin, schalte ich es aus. „Wichtige“ (bitte, das soll keine Abwertung für irgendjemanden sein!) Leute, also die Familie und enge Freunde, können mich auch jederzeit über Festnetz erreichen. Alles andere kann bis Montag warten 😉
      Klappt ganz gut und ich finde es wirklich schön, wenn man nicht alle paar Minuten auf’s Handy schauen muss, weil’s wieder piept und klingelt…
      Grüße
      Frank

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